Ein Bücherschatz ist wie ein geistiger Baum,
der Bestand hat und
seine köstlichen Früchte spendet
von Jahr zu Jahr,
von Geschlecht
zu Geschlecht.
Thomas Carlyle (1795-1881)
Der Dialog der Basis mit der aufstrebenden Kraft ...
Die Formung des Gebäudekomplexes basiert auf einem ruhend liegenden,
straßenbegleitenden Kubus - der statischen Gebäudebasis - welchem
ein gen Himmel strebender gläserner Zylinder gegenübertritt.
Beide Formungen stehen für eine differenziert gerichtete Aussagekraft
des Bibliotheksgebäudes und transportieren darin unterschiedliche
Botschaften.
Im charakteristischen Formenspiel von Quadrat und Kreis, dem der Asplund-
Bau unterliegt, wird ein weiterführender, verwandter Dialog von Rechteck
und Ellipse geschaffen. Elemente, die formale Ähnlichkeiten aufweisen,
die in ein spannungsreiches Miteinander von Nähe und Distanz treten,
in dieser Verwandtschaftsbeziehung wird dem Areal der beiden Bibliotheken
Einheit, Markanz und städtische Signifikanz verliehen.
Die Ablesbarkeit und Signifikanz der Gebäudebasis im Areal
...
Die Gebäudebasis unterliegt den geradlinigen Strukturen des Areals,
die Kantigkeit und Limitierung des Objektes führt die charakteristische
städtische Struktur fort. Eine städtebauliche Analyse zeigt,
dass durch die Verdrehung des Asplund-Baus der besonderen Funktion, nämlich
die der Stadtbibliothek, eine erkennbare Signifikanz und Ausgestaltung
im Stadtgefüge verliehen wird. Diese besondere Ausrichtung im gegebenen
städtebaulichen Umfeld wird auf die neue Stadtbibliothek übertragen.
Durch die Verdrehung und das Hervortreten des Baukörpers wird verstärkend
der Haupteingang betont und erscheint im städtischen Umfeld signalhaft
sichtbar.
Die Gestaltung der Außenhaut dieser Gebäudebasis setzt eine
klare Aussage auf die Sinnhaftigkeit des Objektes hin orientiert: Buchstaben
erfüllen das Gebäude mit Leben und werden spürbar an der
Fassade bis über die fünfte Ebene gezogen. Als logische Konsequenz
baut sich das statische Fassadengerüst als ineinander verwobene Buchstaben
auf - ein klarer Transport innerer Funktionen.
Die leuchtende Kraft des gläsernen Zylinders ...
In einem städtebaulich größeren Kontext steht der zylindrische
Glaskörper. Weitum sichtbar erhellt er den Nachthimmel, glänzt
im Sonnenlicht und lässt doch eine klare Einfügung in die Stadtlandschaft
erkennen – dezent und vornehm, ohne schreiend zu werden. In diesem
Charakter bietet die oberste Geschoßebene mit ihren hohen Qualitäten
Raum für einen Restaurantbetrieb. Der Blick über die Dachlandschaft
der Stadt verbindet sich mit der Weite des umgebenden Landes.
Das innere Wechselspiel im Spiel der raumübergreifenden
Rampen ...
Die innere Gebäudestruktur wird markant durch die Idee der raumübergreifenden
Rampen geprägt. Ausgangspunkt bildet die durchgehende ebenerdige
Erschließung und damit einhergehend die Verschmelzung mit dem Straßenraum.
Die Neigung des Straßenverlaufs findet sich in der ersten Rampe
im Gebäude wieder. Weitergesponnen unterliegen die einzelnen Gebäudeebenen
durch die Auflösung der Geschoße in Rampen einem weichen und
luftigen Wechselspiel der Blicke, einer Großräumigkeit, einem
Eindruck für Weite des Raumes und damit Weite im Kopf, gleichzeitig
einer angenehmen Ruhe im Kreis der Leser und Ruhe Suchenden.
In einer weitreichenden Geste läuft die Bewegung des Innenraumes
am Dach des Gebäudes aus, die Weite des Gebäudes geht fließend
in einen Freiraum über. Dieser Freiraum kann betreten, Sonne genossen
und Jahreszeiten erlebt werden, die Bibliothek lässt ihr Leben in
die Freiheit entfliehen.
Im Turm der Kinderbücher ...
Dem fließenden Raumerlebnis der städtischen Bibliothek steht
ein Kopfteil als aufstrebende acht–geschoßige Überhöhung
gegenüber. Die Verwaltung der Stadtbibliothek findet ihren notwendigen
Raumbedarf in dieser ruhenden Kraft des Baukörpers.
Als weiter Einschnitt fasst der bis in die zweite Ebene reichende Innenhof
das Licht und führt Helligkeit in den Turm - der Blick zum gläsernen
Zylinder, magnetisierend.



